Ja, mein Opa war bei der Bundesbahn und später auch bei der DB, jedoch hatte er nie selber in einem n-Wagen dienst gehabt, er war von Stunde 0 ein Mitglied des Teams des IC Experimental, trotzdem bin ich lange kein Befürworter der Triebzüge, vielleicht liegt meine Liebe für das alte Rollmaterial daran, dass ich mit 440 und Co aufgewachsen bin und erst mit 12 Jahren zum ersten mal in einem n-Wagen saß, vielleicht liegt es daran, das ich gesehen habe, wie sich die Mentalität der Reisenden verändert hat, seitdem die Züge nach Nürnberg von Moduswagen und 111 auf 440 "geupgradet" wurden, denn seit dem ist es viel hektischer, viel anonymer und vor allem viel steriler, ja ich mag zwar als "Pufferküsser" rüberkommen, aber ich bin weiß Gott keiner, ich habe eins gelernt, altes ist nicht immer schlecht. Aber für meinen Geschmack ist ein 442 schon fast eine S-Bahn und erst recht kein RE, in dem man auch mal 2,5 Stunden verbringen muss, für Züge, die länger als eine Stunde fahren sind vis a vis so wichtig wie die Schienen auf denen der Zug fährt, wer anonymität will, der soll im Flugzeug fliegen oder im Fernbus vergammeln, aber die Bahn war schon immer ein Ort des Zusammentreffens, ich habe auch meine erste Freundin im Zug getroffen, damals in der BOB im vis a vis, und wir beide sagen bis heute (obwohl es nicht hat wollen sein) das wir uns nie angesprochen hätten, wenn wir nicht im vis a vis gesessen wären.
aber zurück zum Thema.
Eine Verbindung wie die von Stuttgart nach Würzburg ist eine wichtige Verbindung, und vor allem eine lange Verbindung, mit 2 Stunden einfach, ich mag keine 2 Stunden in einem sterilen, weißen Innenraum sitzen, in dem das einzige in Farbe die Sitze sind, ich will was sehen für mein Geld, im wahrsten Sinn des Wortes, ich will Farbe, kein Lichtgrau. Das Rollmaterial an sich wäre mir schon fast egal, solange man beim Umstieg keinen Abstieg in irgend einer art und weise im Bereich Comfort ertragen müsste, Dosto sind auf Grund der Klimaanlage etwa auf gleichem Niveau wie n-Wagen einzuordnen, aber wenn ich jetzt einen Tribwagen ansehe, wo der Fahrgastraum eine 40-80 Meter lange Röhre ist und keine Trennung von Aufenthaltsraum und Privatsphäre zu erkennen ist, kann man das nicht Comfort nennen, selbst eine Tür zwischen den Wagen würde da schon, rein Mental, ändern, aber das wäre ja nicht effektiv.
Jedoch ist das Rollmaterial oder ein Privates EVU nicht das schlimmste für mich an der Ausschreibung, aber das die Kosten von einer Ausschreibung zur nächsten HALBIERT wurden kommt schon fast einer Zwangsmaßnahme gleich, das ab jetzt alles mit Triebwagen fahren soll.
Viele Leute sagen zu mir, ich soll mich damit zu frieden geben, was mir zur Verfügung gestellt wird, aber das kann ich einfach nicht. Ich kann nicht mit etwas zu frieden sein, das gegen das verstößt, was ich Standard nenne, das kommt dem Gleich, einem Raucher die Zigaretten zu verbieten oder einem Manager den Sportwagen wegzunehmen und dafür einen 2000ér Fiat Punto hinzustellen. Fortschritt ist wichtig, aber wenn der Fortschritt dem Wohl des Reisenden schadet, dann ist es kein Fortschritt sondern ein Schritt zurück. Es gab Zeiten, da wurde nicht das Geld abgezählt, sondern da entschieden Umfragen der Fahrgäste, welches EVU zu fahren hat.
Ich hoffe ich habe jetzt mal einiges klar gestellt, denn die Behauptung, ich sei ein "Pufferküsser" ist für mich nicht haltbar, ja ich mag altes aber nein, ich muss nicht immer im Oldtimer fahren. Wie die Zukunft wird, weiß keiner, aber eins ist zumindest für mich klar, in der Zukunft wird die Bahn in Deutschland auf dem selben Niveau sein wie die Bahn in England und das möchte ich nicht!