Mir dreht's den Magen um bei dieser ganzen Angelegenheit... Vor allem, als ich die Olympiaringe am Tender gesehen habe - damit ist die zeitliche Zuordnung in die NS-Jahre ja wohl sowas von klar und sicher auch so beabsichtigt. Nein, sowas will ich prinzipiell nicht in meinem Simulator haben. Das Vorbild an sich ist überhaupt nicht das Problem; die Konstruktion der 03 geht auf die späten 20er Jahre zurück, und die Epoche II hat insgesamt zweifellos eisenbahntechnisch ganz klar ihre Höhepunkte gehabt. Trotzdem kann man die technische nie ganz von der gesellschaftlichen Entwicklung trennen, und sich nur vorzustellen, wie die Welt beschaffen war, durch die man da im Simulator fährt: wo andere darüber entschieden haben, ob Du wegen Herkunft, Religion, Deiner Meinung oder Deines Gesundheitszustandes wert warst, leben zu dürfen oder nicht. Nee danke - auch wenn die Simulation des Eisenbahnbetriebes im Vordergrund steht - das alles schwingt da immer leicht mit. Was fasziniert die Menschen an Diktaturen eigentlich so - und warum wird das häufig hinter dem Interesse an "Technik" versteckt wird? Warum gab's zu meiner Jugendzeit in der BRD eigentlich ganz überwiegend nur Flugzeug- und Schiffsmodellbausätze von militärischen Vorbildern aus der Zeit des 2. Weltkriegs? Schon klar, man wird nicht gleich zum Neonazi, wenn man mit sowas spielt - aber das Angebot spiegelt doch auch irgendeine Grundhaltung wider, oder?
Als ich vor einigen Jahren ein Modell der E94 für den MSTS veröffentlichte (die ich wider besseres Wissen immer als klassische Bundesbahnlok gesehen habe), traten schon wenige Tage, nachdem der Download möglich war, die ersten Faschisten auf den Plan und fragten nach, ob ich auch Epoche-II-Versionen plane, bzw. schickten mir bereits fertige Repaints, wohlgemerkt mit Hakenkreuzen drauf. Da muss man sich schon fast schämen, diesem Klientel das Rohmaterial für ihre kranken Fantasien geliefert zu haben.
Im übrigen ist es schon sinnvoll, sich an die jüngere Vergangenheit zu erinnern. Wenn ich hier schon wieder Worte lese wie "Judengold" (Jensen, Du hast das wahrscheinlich gar nicht so gemeint, aber allein bei dem Wort graust's mir) oder auch nur an den Alltagsrassismus auch bürgerlicher Schichten denke (wenn man mit einer Migrantin verheiratat ist, bekommt man das täglich mit), frage ich mich echt, was diese Gesellschaft nach '45 dazugelernt hat. Schon daher sollte man nicht vergessen, zu was Intoleranz, Neid und das gezielte Aufeinanderhetzen von gesellschaftlichen Gruppen führen. Und in diesem Sinne möchte ich lieber keine Olympia-36-Loks für Railworks haben. Schade, denn trotz der erkannten Mängel in der modellbauerischen Umsetzung hätte ich mich über eine DB- bzw. DR-Maschine sehr gefreut.
Viele Grüße
Heiko