@Tattissi
So ganz korrekt unterwegs bist Du aber auch nicht. Bei S21 ist schon die Historie von Bedeutung. Das Bahnhofsprojekt war (ist) ein Stadtentwicklungsprojekt der Stadt Stuttgart (gewesen). Die Bahn hat sich auch lange geweigert, in der Richtung (Tiefbahnhof) überhaupt tätig zu werden. Der alte Kopfbahnhof war nie ein Flaschenhals im DB-Netz und hatte seine Hauptfunktion im Verknüpfungspunkt für die Regionalzüge. Es gab deshalb auch ernsthafte Überlegungen für einen eigenen Fernbahnhof (u.a. war Cannstatt im Gespräch). Die frühen Initiativen gegen das Stuttgarter Bahnhofsprojekt sind daran gescheitert, dass die Bürgerinitiativen gegen das Verkehrsprojekt vorgegangen sind, die Verwaltungsgerichte aber nur das Immobilienprojekt bewertet hatten.
Der Tiefbahnhof löst mehrere Probleme nicht, seine Kapazität orientiert sich am heutigen Fahrplan, es gibt keine Reserven auf die Zukunft. Die Betriebsqualität wird als "befriedigend" bezeichnet, ich erinnere an die Geisler-Schlichtung. Das bedeutet nichts anderes, das Verspätungen in der Infrastruktur mitgeschleppt werden. Es gibt heute keine Züge, die eine Ausrüstung für den Tunnel haben, ich erinnere an die Steigungsverhältnisse. Das ist aber ein Problem für viele heute ab Stuttgart fahrenden Sonderzüge, aber auch TGV&Thallys haben keine Zulassung. Vor diesem Hintergrund geistert schon eine Weile ein zusätzlicher Kopfbahnhof durch die Diskussionen. Es ist eher das Problem des Gesichtsverlustes, dass man den neu auch als Tiefbahnhof denkt.
Noch eine Anmerkung zum Klimaschutz. Eigentlich gilt die Eisenbahn als ideales Verkehrsmittel im Rahmen der Klimakrise: nur die aktuell gebauten und geplanten Tunnels kontakarieren das. Zement/Beton belastet das Klima sehr stark, nicht nur durch den hohen Energiebedarf bei der Zementproduktion, sondern auch beim Abbinden zu Beton wird noch einmal CO2 freigesetzt.
Zum Deutchland-Takt: ja, die Knoten haben ein Problem, was bisher wenig in der Diskussion und auch in der Planung berücksichtigt wird. Ich hatte mir das in Hannover angesehen, dort sind die Gleise für den Ost/west-Verkehr auf der nordwestlichen Bahnhofsseite, der Gleise für den Nord/Süd-Verkehr auf der südöstlichen Seite. Zum Umsteigen brauchen auch fitte Menschen mindestens 5 Minuten, mobilitätseingeschränkte länger. Deshalb gibt es aus der Fachpresse auch Überlegungen, die Richtungen nicht auf den 0 bzw. 30er Knoten auszurichten, sondern um 15 Minuten zu versetzen. Dann gäbe es für den Fernverkehr ein 0/30-Knoten und ein 15/45-Knoten. Und noch etwas, für den Deutschland-Takt gilt NICHT die maximal mögliche Geschwindigkeit, sondern die notwendigen Geschwindigkeit, um die Knoten-Zeiten zu erreichen. Das ist aber offensichtlich noch nicht einmal beim BVMI angekommen, sonst hätte man für Bielefeld-Hannover keine 31 Minuten vorgegeben. Für Stuttgart ergibt sich in diesem im Zusammenhang - wie bei diversen Knotenbahnhöfen das Problem, dass ich neben dem Fernverkehr auch den Regionalverkehr zur Knotenzeit im Bahnhof brauche und dann reicht die Kapazität des Tiefbahnhofes nicht aus. Dabei ist vollkommen egal, ob die Züge enden oder durchgebunden sind.
Viele Grüße
Bernd