Und als Diplom-Ökonom interessieren mich bei den Eisenbahnen nicht die Puffer und nicht die Technik, sondern die betriebswirtschaftliche Sicht.
Das sollte es aber! Dann wundert mich nichts mehr. Das ist das beste Beispiel: Die betriebliche und wirtschaftliche Welt bei der Bahn sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe, wobei der eine nicht zum anderen passt. Klar brauchst du schon jemanden, der schaut dass ein bisschen Geld zusammen kommt, aber wenn ich dann täglich höre, wie Leistungen gekürzt, am Material gespart und eigentlich schon in die Sicherheit im Eisenbahnbetrieb eingegriffen wird, kann ich nur den Kopf schütteln. Die Eisenbahn wird kaputt gespart wo es geht! Aus den gleichen Einnahmen muss jährlich mehr Gewinn herausgequetscht werden. Sei mir nicht böse, aber insofern haben Ökonomen und Betriebswirtschaftler, zumindest in der großen Anzahl, in einem funktionierenden Eisenbahnbetrieb nichts zu suchen! Sicherheit geht ganz klar vor Pünktlichkeit und Qualität!
Pünktlich und ohne Ausfälle würde mir schon reichen.
Bei einer S-Bahn? Nahe zu unmöglich! Da hüpfen dir immer noch Leute in den Zug während des Schließvorgangs. Dann reversiert die Türe wieder und der nächste kommt herein. Und sobald du 30 Sekunden länger brauchst als im Plan vorgesehen, verzerrt sich das alles auf die nachfolgenden Züge. Außerdem werden relativ billige Fahrzeuge eingekauft, da die sich ja innerhalb der Vertragslaufzeit rechnen müssen, und dann ist es eben kein Wunder, wenn das ein oder andere mal Streikt.
Wenn das so ist, was kann der Anbieter dafür, egal, wer es ist?
Ja da kann der Anbieter nichts dafür egal ob DB oder Privat. Du wolltest aber wissen, warum NX es in Deutschland nicht schafft, wesentlich pünktlicher zu fahren als bisher. Dann war meine Antwort, das wir so ein dermaßen schlechtes Schienennetz haben, dass man darauf nicht wesentlich pünktlicher fahren kann.
Zudem hat NX zwei Linien in NRW gewonnen, welche ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 gefahren werden, mit Talent 2. Dann können wir das Geschehen zwei Jahre lang begleiten.
Ja aber sie haben zum Vergabezeitpunkt noch keine Leistung erbracht. Wenn sie sich auf den beiden Linien gut Bewiesen hätten, wäre das ja verständlicher. Aber so wird einfach ein riesen Netz vergeben, ohne eine Bewertung am hiesigen Markt zu haben.
Dann empfehle ich Dir, mal einen Verkehrsvertrag zu lesen, falls Du einen findest oder den Kriterienkatalog der BEG, wenn Du sowieso die Wertungen verfolgst. Dann wirst Du sehen, dass die Aussage pure Polemik ist.
Du hörst dir aber schon selber zu, oder? Ich dachte du bist Wirtschaftler? Wenn dir einer ein Angebot vorlegt, das um einiges billiger ist als der bisherige Vertrag, wer wird da wohl zu 80% das Rennen machen? Wenn gleich die Verkehrsgesellschaften nur ein begrenztes Budget vom Bundesland zur Verfügung haben um den SPNV zu organisieren.
Und wie kommt dann agilis zu seiner wiederholten Superbewertung[...]
Naja, das wahnsinnig große Netz hat Agilis ja jetzt auch nicht. 2-3 Strecken pro Geschäftsbereich sind nicht wirklich viel.
Aha. Arriva ist also kein deutsches EVU?
Ursprünglich hat es dem Engländer gehört, als es dann von der DB AG eingekauft wurde, mussten aus wettbewerblicher Sicht die deutschen Anteile von damals Arriva Deutschland ca. 50-50 an die FS und noch jemanden (ich meine es waren Franzosen oder Luxemburger) verkauft werden. Somit ist Arriva, oder besser Netinera, wie sie seit 2010 heißen, für mich kein deutsches EVU.
Der Teil, der im Ausland als DB Tochter betrieben wird, bildet für mich bei der Größe eher eine Alibi-Funktion um sagen zu können: "wir lassen doch Wettbewerb zu"
Das die "privaten" keineswegs einfach so aus dem Boden gestampft wurden, ist mir völlig klar. Ich habe hier einen Stammbaum der EVU's in Deutschland, auf dem gezeigt wird wer mit wem wie viel Verwandt, Verschwägert oder Verheiratet ist. Die ganze Sache, die mich dabei Stört, ist eben diese, dass die bei uns operieren dürfen aber wir nicht bei denen. Entweder ganz oder gar nicht, entweder jeder oder keiner öffnet den Markt.
Ich finde die Privatisierung sowieso ein riesen Unding. Die einzigsten, die daran Verdienen, sind solche Leute wie du (bitte nicht persönlich nehmen), die meinen die Eisenbahn neu erfinden zu müssen und dabei das ganze System gegen die Wand fahren bzw sparen. Die Bahn profitiert davon nicht, abgesehen von der Vorstandsetage, der Staat profitiert davon nicht und der Bürger/Kunde profitiert davon nicht. Die Steuergelder, durch welche die Staatsbahnen finanziert werden, landen somit überall, nur nicht dort wo sie hingehören und zwar in das Land in dem die Steuern entrichtet werden. Genauso regt es mich auf, dass die DB irgentwo in der Wüste ein hochmodernes Eisenbahnsystem plant mit größtenteils unseren Geldern, wobei hier mal das Netz von Grund auf saniert gehört. Und komm' mir jetzt bitte nicht mit "wir haben doch dadurch mehr Wettbewerb und die Preise sinken dadurch". Wenn die Preise denn überhaupt sinken, geht das auf Kosten der Sicherheit und der Belegschaft, die sich tagtäglich mit verärgerten Kunden abgeben dürfen, wobei sie mindestens genauso geschädigt sind, wie die Fahrgäste, wenn nicht sogar mehr.
Mich würde noch was interessieren, wenn ich fragen darf: Hast du, oder deine Kollegen eine betriebsdienstliche Ausbildung genossen?