Mittlerweile ist die Schmalspurseite des Bahnhofs auch komplett fertig und daher geht es weiter mit
km 0,0 - Bahnhof Wilischthal (Teil3):
Jetzt wo auch die bereits vor Jahrzehnten abgerissenen Nebengebäude wieder an Ort und Stelle stehen, fällt einem so im direktem Vergleich auch gleich ein paar kleinere Abweichungen an der Gleislage auf. Das zeigt aber auch nur, wie schwierig es ist, einen Bahnhof nachzubauen, der fast vollständig (nahezu ohne Geraden) in einer 170m Kurve liegt, was bereits extrem genug wäre, und bei dem es kaum noch Orientierungspunkte gibt und auch die ältesten Googlebilder nicht mehr helfen können
Für einen typisch sächsischen Bahnhof ist das allerdings nichts ungewöhnliches



1971 wartet mit 99 1792 eine von zwei Neubau-Schmalspurloks am Bahnsteig auf Ausfahrt (dort wo ein anderer Schwerlasttransport geparkt hat), die ihr ganzes Leben im Thumer Netz verbrachten und im Falle der "92" auch darüber hinaus, da sie nach der Stilllegung der Wilischthalbahn noch 13 Jahre als Heizlok in Ehrenfriedersdorf und Auerbach leistete, bevor sie dort 1985 zerlegt wurde. Mit 10-15 solcher Dampfloks im Einsatz hatte Thum den Großteil der Bauserie für sich beansprucht. Die restlichen liefen in Cranzahl-Oberwiesenthal, Freital-Hainsberg-Kipsdorf und Radebeul Ost-Radeburg. Das Güterschuppengleis wurde hier bereits zurückgebaut, nachdem dessen Gleis bereits vorher schon gekürzt wurde. Aber auch die IVK macht hier eine gute Figur



Am anderen Ende des Bahnhofs schließen sich die Lokbehandlungsanlagen an, die aus der typischen Wasserstation, einem hölzernen Kohlenschuppen und einem Schrägaufzug für die Kohlenhunte bestand. Die Wasserstation war im Vergleich zu der schmucken Variante in Steinbach relativ schnörkellos, war aber mit einem 4m langen Wasserkran ausgestattet, mit dem beide vorbeiführenden Gleise bedient werden konnten (was sich so im TS nicht umsetzen lässt, darum hab ich mich auf das naheliegendere beschränkt). Der Kohlenschuppen wurde bereits 1968 wegen Baufälligkeit abgerissen, so blieb bis zum Schluss nur noch das Fundament davon stehen und ist der Grund, warum ich überhaupt nur 3 Fotos davon in meinen Büchern fand




Der Bahnsteig der Schmalspurbahn lag hierbei direkt an der Ladestraße hinter dem Güterschuppen - auch ein deutlicher Hinweis auf die beengten Verhältnisse in Wilischthal. Der Güterschuppen wurde im gleichen Stil wie das Stationsgebäude in Steinbach errichtet, nur ohne den Fahrgastbereich, und später unter anderem mit einer überdachten und teilverkleideten Ladebühne erweitert. Da heute nur noch die Ladestraße als Orientierung dient, muss man hier ordentlich Fantasie mitbringen



Zwischen diesem exklusiven Schmalspurteil und den Normalspurgleisen der Zschopautalbahn war dann sogar noch genug Platz für einen kleinen Güterbahnhof, der nebem dem Güterschuppengleis der Regelspur auch über eine große und eine kleine Rollwagengrube verfügte und zwei weitere zum Absstellen eben dieser. Somit konnte hier parallel be- und entladen werden, was in Wolkenstein nie über die Planungsphase hinausging, und zeugt von der enormen Bedeutung des Güterverkehrs und des Wagenumschlags. Und obendrein war sogar noch Platz für eine Oase der Entspannung für die Bahnhofsbrigade - mitten zwischen den Gleisen


Zeit zur Entspannung bleibt mir nicht viel, denn auf der Regelspurseite liegt noch einiges an Arbeit vor mir, bevor die Reise ins Wilischtal überhaupt beginnen kann 