Ich habe in meinem nahen Umfeld 2 gute Freunde, die ganz sicher alle beide eine schwere Legasthenie haben.
Diese beiden Leute, der eine um die 40 J, der andere etwa 50 J alt, geben sich beim Schreiben jedenfalls erheblich mehr Mühe als manch Einer, der nicht unter Legasthenie leidet.
Beide haben sich so arrangiert, dass sie bei der Kommunikation via Email die im Thunderbird oder Opera eingebaute Rechtschreibprüfung benutzen.
Wenn ich deren Texte lese, die ich bisweilen per Email erhalte, käme ich niemals auf die Idee, dass diese 2 eine Rechtschreibschwäche haben, wenn ich es nicht wüsste.
Es geht also, wenn man will.
Als ich noch einen IRC-Server hatte stellte ich leider oft fest, dass es bisweilen garnicht die Leute mit Rechtschreibschwäche waren, sondern die "Normalen", die viel eher dazu neigten, Sätze ohne Punkt und Komma, ohne Groß-/Kleinschreibung und mit massig Fehlern in den Channel zu posten, so dass man deren Sätze 2-3x lesen musste. Bei denen war es simple Bequemlichkeit.
Meine 2 Freunde aber, die eine wirkliche Legasthenie haben, taten sich damals sehr schwer, überhaupt den Sinn in den Sätzen dieser Leute zu verstehen und wurden so aus der laufenden Kommunikation ausgegrenzt.
Ich möchte damit sagen, dass man das Ganze nämlich auch umdrehen kann:
Jemand, der nicht will oder nicht der Lage ist, halbwegs vernünftig zu schreiben, schließt damit Leute aus, die auch so schon ihre Probleme haben.
Daher mein Appell an diejenigen, die es besser können: Schreibt doch bitte vernünftig und in verständlichen Sätzen. Benutzt Zeichensetzung (es muss ja nicht perfekt sein), bemüht -wenn nötig- die Rechtschreibprüfung und lest bitte Korrektur, bevor ihr euer Possting abschickt.
Auch gelegentliche Absätze sind sehr hilfreich, denn wenn ich einen Textblock ohne gedankliche Pause sehe, habe ich persönlich schon keinen Bock mehr zu lesen.
Wenn man nämlich von Toleranz gegenüber Menschen mit Rechtschreibschwäche spricht, dann sollte man auf diese auch andersrum Rücksicht nehmen, damit diese sich ebenfalls an einer Diskussion beteiligen können.
Auch das ist nämlich Barrierefreiheit und vermindert die Ausgrenzung!
Keiner verlangt einen perfekten Text in journalistischer Perfektion.
Darum geht es garnicht.
Aber wenn ich das Anfangsposting des Threaderstellers sehe und lese, dann muss ich glatt sagen, dass ich dies nur mit Mühe tolerieren kann,
weil derart viele Fehler enthalten sind,
weil 90% der Zeichensetzung fehlt,
weil kein Groß/Klein beachtet wird,
weil keine Absätze drin sind,
weil die Schriftart später in "klein" umformatiert wurde (was soll das überhaupt?),
weil Fragen nicht mit einem "?" als Frage kenntlich gemacht sind,
weil 2 Sätze ohne Punkt ineinander übergehen
und -last but not least- die Ausdrucksweise teils nicht meinem Niveau entspricht.
Meine 2 Freunde mit Rechtschreibschwäche kämen vermutlich auf höchsten 2 oder 3 der obigen Kritikpunkte und ich bin mir sicher, dass sie beim Lesen des von mir angesprochenen Einganspostings nur Bahnhof verstünden.
Und das kann es ja wohl nicht sein, oder? 
Man kann sich auch ein kleines bisschen am Riemen reißen.
Ich jedenfalls sondere inzwischen immer öfter Texte nach diesen Kriterien aus, ob ich sie lese oder gedanklich nach den ersten Wörtern in den gedanklichen Papierkorb werfe und ignoriere. Und das ist einfach schade, denn derjenige hätte vielleicht was Vernünftiges/Interessantes zu sagen gehabt,... aber es ist mir einfach zu anstrengend, ein solches Konglomerat aus Buchstaben zu dechiffrieren.