Mich würde interessieren, wie weit die Entwicklung von NEXT bei der tatsächlichen Nachbildung des Train Simulator Classic inzwischen fortgeschritten ist. Die Idee, eine vollständig eigenständige Engine in Rust zu entwickeln, die vorhandene Strecken, Fahrzeuge, Szenarien und Lua-Skripte direkt aus der bestehenden TSC-Installation lädt und mit einer modernen Grafikengine darstellt, ist zweifellos ein sehr ambitioniertes Projekt.
Besonders interessant finde ich dabei die Frage, wie die Kompatibilität mit den zahlreichen unterschiedlichen Inhalten von Dovetail Games, Drittanbietern und der Freeware-Community gewährleistet werden soll. Die Originaldateien einzulesen und ihre Strukturen zu interpretieren, ist schließlich nur ein Teil der Aufgabe. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass die darin enthaltenen Informationen auch korrekt verarbeitet werden und sich die Inhalte anschließend im laufenden Betrieb so verhalten wie im ursprünglichen Simulator.
Gerade bei komplexen Strecken dürfte das eine erhebliche Herausforderung darstellen. Die Gleisgeometrie muss beispielsweise nicht nur aus den vorhandenen Daten rekonstruiert werden, sondern auch hinsichtlich Höhenprofilen, Kurven, Weichen und Gleisverbindungen korrekt sein. Hinzu kommen die Signaltechnik, Fahrstraßen, die Fahrdienstleitung und die Interaktion zwischen KI-Zügen und Spielerzug. Es reicht nicht aus, dass ein Signalmodell korrekt dargestellt wird oder sein Lua-Skript ohne Fehlermeldung startet. Das Signal muss auch abhängig von der tatsächlichen Betriebssituation den richtigen Zustand anzeigen, und die zugehörigen Fahrstraßen sowie die Zugbeeinflussung müssen entsprechend funktionieren.
Ähnliche Fragen stellen sich bei den Fahrzeugen. Viele Lokomotiven und Triebzüge besitzen individuelle Skripte, eigene Bedienlogiken und teilweise sehr komplexe Systeme wie PZB, LZB, AFB, Sifa oder herstellerspezifische Funktionen. Dazu kommen die Fahrphysik, Bremsmodelle, Zugkraftkennlinien, die Steuerung der Stromabnehmer sowie die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Strecke. Wie wird sichergestellt, dass solche Funktionen nicht lediglich grundsätzlich ausgeführt werden können, sondern sich auch im Zusammenspiel mit anderen Fahrzeugen, Signalen und Szenarien genauso verhalten wie im Original?
Du hast in deiner Vorstellung bereits Zahlen zur Überprüfung von Fahrzeugen und Lua-Skripten genannt. Mich würde interessieren, wie diese Tests konkret durchgeführt werden. Bedeutet ein fehlerfrei gestartetes Skript zunächst nur, dass es syntaktisch beziehungsweise technisch ausgeführt werden kann, oder wird auch überprüft, ob seine Funktionen im Simulator tatsächlich korrekt arbeiten? Gibt es hierfür automatisierte Vergleichstests mit dem TSC oder werden die Ergebnisse überwiegend durch praktische Testfahrten überprüft?
Ein weiterer Punkt ist die ursprüngliche Engine selbst. Der Train Simulator Classic hat über viele Jahre zahlreiche Funktionen, Schnittstellen und Besonderheiten angesammelt, auf die Entwickler von Strecken und Fahrzeugen zurückgreifen. Manche Inhalte funktionieren möglicherweise nur deshalb, weil die ursprüngliche Engine bestimmte Abläufe, Daten oder Fehler auf eine ganz bestimmte Weise behandelt. Wie gehst du mit solchen Abhängigkeiten um, insbesondere wenn eine Funktion nicht vollständig dokumentiert ist oder sich das Verhalten nur durch Tests mit dem Original nachvollziehen lässt?
Mich würde deshalb interessieren, nach welchen Kriterien du den Entwicklungsstand von NEXT bewertest. Gibt es bereits ausgewählte Strecken und Szenarien, die vom Laden der Welt über die Fahrstraßensteuerung bis hin zum Abschluss einer Fahrt vollständig und reproduzierbar funktionieren? Und welche Bereiche bereiten derzeit die größten Schwierigkeiten: die Interpretation der Originaldaten, die Nachbildung der Engine-Funktionen, die Signaltechnik, die Fahrphysik oder die Kompatibilität mit individuellen Lua-Skripten?
Ich finde den Ansatz interessant, die vorhandene TSC-Sammlung nicht durch einen völlig neuen Simulator mit eigenen Inhalten zu ersetzen, sondern sie mit einer modernen Engine weiter nutzbar zu machen. Gerade deshalb wäre es spannend zu erfahren, wie du den Übergang von einer grundsätzlich funktionierenden Darstellung der Originalinhalte zu einer möglichst vollständigen und zuverlässigen Simulation des ursprünglichen Betriebsverhaltens angehst.
Mit besten Grüßen
Peter