Richtiges Fahren/Bedienen einer Dampflok (aus RealLife) - Achtung! Viel Text!

    • Richtiges Fahren/Bedienen einer Dampflok (aus RealLife) - Achtung! Viel Text!

      Nachdem ich mich ja mal an einem Video-Tutorial "Wie fährt man eine Dampflok richtig" versucht habe und dafür -na klar- sicherlich schallendes Gelächter geerntet habe , hat sich doch ein interessanter Schriftwechsel mit einem richtigen langjährigen Dampflokführer (Heinz, bei youtube unter dem Namen roststab zu finden) zum dem Thema ergeben.
      Mit seiner freundlichen Genehmigung und unter nochmaliger ausdrücklicher Danksagung von mir, darf ich hier die Ergebnisse zitieren, da eine Verlinkung in meinen Nachrichtenbereich bei Youtube nicht geht.

      Unter dem Aspekt, dass auch hier im Forum verschiedene "Strategien" zum (Dampf)-Lokfahren angeboten werden, eine nette Zusammenfassung. Werde vlt. nächste Woche nochmal ein neues Tutorial dazu machen.

      Los gehts!


      "...Aber glaube mir, Dampflok fahren ist anders. Ich habe es über 30 Jahre gemacht. Nur mal als Beispiel: Gegendruckbremse, das ist die ultima ratio. Wenn nichts mehr geht, wird dieses Verfahren angewandt, weil es andernfalls zu schweren Schäden an der Lok führen kann und man macht es auch nicht bei Höchstgeschwindigkeit, sondern wenn die Geschwindigkeit bei vielicht 30 max. 50 km/h liegt. Den sogn Hilfsbläser, das Handrad, was du immer zum Steigern des Kesseldruckes nimmst, bleibt eigentlich bis auf Tunnelfahrten, beim Feuern und gelegentlich im Stillstand immer geschlossen. Die Feueranfachung macht die Lok allein. Dazu muß aber das richtige Verhältnis Steuerung (fälschlich "Richtungswender") und Regler gegeben sein. Grundsatz: Regler "voll auf" und Steuerung entsprechend einregeln. Beim Anfahren war das richtig gemacht. Überwinden der Massenträgheit durch volles Öffnen des Reglers und anschliessendes Beiziehen. Dann wieder langsam Öffnen und ab ca 30 km/h voll Öffnen. Ab jetzt nach und nach die Steuerung bis auf etwa 25 % zurück legen. Geht es bergauf, die Steuerung langsam zu größeren Werten öffnen. Der Regler bleibt bis auf Talfahrten oder wenn der Kesseldruck zu hoch wird immer voll geöffnet. Steigt der Kesseldruck trotzdem, Wasser mit dem Injektor nachspeisen. Üblicherweise wird das Wasser mit einer Kolbenpumpe nach gespeist. Der Injektor, das Gerät, was du immer benutzt hast, senkt den Kesseldruck und wird deshalb nur im Stillstand der Lok benutzt. Schau mal





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      "...es ist mit Sicherheit ein Problem, daß nicht alles vom Programm real umgesetzt werden kann. Aber probier mal aus, ob du ohne den sogn. Hilfbläser, oft auch nur Bläser genannt, mit voll geöffnetem Regler den Kesseldruck halten kannst. Die Steuerung sollte auf ebener Strecke bei etwa 25 % liegen. Dabei müßte die Kohlemenge auf dem Rost geringer werden, die du dann ergänzen mußt. Wenn das möglich ist, dann scheint das Programm doch recht real zu funktionieren. Dann müßte auch der Kessel konstant mit der sogn. Fahrpumpe gleichen Stand halten können. Die Fahrpumpe ist die Kolbenspeisepumpe für die es eine Handrad gibt (wenn ich jetzt den Führerstand recht in Erinnerung habe oberhalb des Hilfsbäsers). Das Halten des Wasserstandes ist in der Realität die Kunst des Heizers. Wenn der Lokführer die Dampfentnahme erhöht (Regler voll auf und Steuerung auf hohen Werten) dann muß auch Die Wasserzufuhr steigen und nach gefeuert werden. Gute Heizer, beobachten immer ihren Lokführer, wie er an der Steuerung dreht."

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      Antwort von mir wg. Verständnis:
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      Fazit: Mit geöffnetem Regler ist man ziemlich "rasant" unterwegs.
      Es funktioniert (auch im Simulator) sehr gut so, wie von Dir beschrieben, wird dann auch ohne Bläser genug Dampf erzeugt. Das Problem ist, das die gesamte Strecke sehr flach ist, und man somit beim Anfahren alles rausholen muss, danach muss der Regler doch ziemlich zu. Zum Glück gibts viele Bahnhöfe...! Irgendwie hängt die Dampferzeugung auch noch von der Geschwindigkeit ab, hätte nicht gedacht, dass das so unglaublich komplex ist, das war ja eine richtige Kunst.
      Eine Fahrpumpe (Kolben?) in dem Sinne habe ich nicht gefunden, ich lasse deshalb einen Injector "ein bischen" offen, dann funktioniert es sehr gut und der "Stress" mit dem Wasser ist erst mal weg. Habe es mit der 01, mit der 38 und der 86 versucht.
      Eine Frage hätte ich aber doch noch: Wie und wozu benutzt man den Dämpfer (Bediengriffe am Boden vor der Feuerbüchse) ist das eine Art Luftklappe?
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      "...Ich habe jetzt das Bild vom Führerstand der gezeigten Loks nicht im Kopf, wie es im Spiel ist, aber im Original hat der Heizer da, wo auch der Hilfsbläser ist ein Handrad, auf dem Speisepumpe steht, damit wird die Kolbenspeisepumpe in Betrieb genommen. Bei einem Video, ich glaube es war im ersten Teil, hast du dies Handrad auch kurz betätigt. Ob da im Programm dann auch tatsächlich Wasser in den Kessel gepumpt wird, kann ich natürlich nicht beantworten. Beim Original ist es jedoch der Fall. Da hat der Heizer auch noch en Kontrollinstrument, den sogn. Hubzähler, aber dieses Manometer wie auch das Manometer für die Zugheizung scheint das Programm nicht zu kennen. Dafür hat es aber den Dämpfer (lustige Bezeichnung für die Luftklappen), aber genau diese dämpfende Wirkung auf das Feuer haben die Klappen. Klappe zu heißt, es kommt wenig Luft ans Feuer, die Verdampfungsleistung und der Druck sinkt. Klappe auf heißt, es kommt Luft ans Feuer, die Dampfproduktion steigt. In der Wirklichkeit ist hier eine gewisse Gradwanderung vorhanden. Zuviel Luft bedeutet u.U. daß zuviel kalte Luft in die Feuerkiste dringt und die Verdampfung dadurch etwas nachläßt. Aber ich glaube nicht, daß es diese Feinheit im Programm auch gibt. Beim Fahren immer die in Fahtrichtung vordere Klappe öffnen. Das sorgt für eine gute Verbrennung und steigenden Kesseldruck. Loks wie die 01 mit Neubaukessel haben auch noch seitliche Luftklappen. Da kann ich jetzt nichts zum Programm sagen, aber sie sollten auch geöffnet werden. Zur vollständigen Verbrennung von 1 kg Kohle benötigt man etwa 8 m³ Luft. Das ist eine große Menge. Wird der Lok keine Leistung abverlangt (Rangieren z.B. ) dann bleiben die Klappen zu. Für mäßige Fahrt in der Ebene werden die Klappen 1/4 bis 1/2 geöffnet und bei Fahrt mit großer Last bergauf öffnet man die Klappen ganz. Bei einem realen Dampflokkessel ist es noch wichtig, daß die Feuerschicht im Kessel nicht zu hoch liegt. Dann entsteht in der Feuerschicht nicht das Gas CO2 sondern das Gas CO. Das ist besonders im Tunnel für die Lokmanschaft gefährlich. Und noch ein entscheidender Nachteil ist vorhanden. Die Verbrennung zu CO2 liefert die volle Wärmemenge. Die Bildung von CO ist genau andersherum, sie verbraucht Energie. CO kann zwar zu CO2 weiterverbrennen und dann ist auch hier die volle Energie zur Verfügung. Doch ist das nur theoretisch. Es passiert eben nicht , weil die Gase sofort zum Schornstein geleitet werden und garnicht miteinander reagieren können, deshalb ist unterdem Strich eine negative Wärmebilanz vorhanden und der Kesseldruck muß sinken. Du siehst, Heizer sein heißt, auch etwas von Verbrennungstechnik zu verstehen und nicht nur Schaufeln. Wobei das Schaufeln nicht heißt, einfach Kohle in das Loch werfen und gut ist. Nee, nee die Kohle soll so auf dem Rost liegen, daß die Schicht ungleichmäßig ist. Idealerweise liegt sie so auf dem Rost, wie die Schaufel selbst geformt ist. Vorne flach und nach hinten und den Seiten etwas höher. Das verhindert, das kalte Luft an den Heizwänden durchkommt und somit die Wände abkühlt. Da der Rost im Normalfall etwas schräg ist rutscht die Kohle von selbst nach vorne. Deshalb braucht man hier keine Kohle hinwerfen. Aber ich bin sicher, auch diese Feinheit kennt das Programm nicht. Wäre aber toll, für ein 2 Personenspiel mal so etwas mal zu entwerfen. Da kann man dann wirklich nachempfinden wie kompliziert die Bedienung und Behandlung einer Dampflok tatsächlich ist. "

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      Noch eine Antwort von mir:

      Wenn ich am Stellrad öffne, ist daneben ein Manometer ohne Ziffern mit kg/cm2-Skala, es pulsiert (auch im Stand) auf und ab während der Speisung.

      Ganz oben beim Generator gibt es ein unbeschriftetes Handrad (Steam Injection Support beim Mouse-Over), wenn ich es schliesse, findet keine weitere Speisung mehr statt.
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      "...ich versuche alles der Reihe nach abzuarbeiten. Fangen wir mit dem Naßdampfregler an. Nur wenige deutsche Dampfloks hatten einen Heißdampfregler. Eingeführt wurde er nur bei den Nachkriegsbauarten (BR 10, 23, 65, 66 und 82) und den Neubaukesseln (BR 01, 01.10, 03.10 und 41). Da gab es zwei verschiedene Bauarten. Den Mehrventilregler und den Einventilregler. Der EVR arbeitete ziemlich fehlerfrei. Nicht so der MVR. Dieser z.B in der BR23 eingebaute Regler wurde daher auch wieder ausgebaut und durch den alten Naßdampfregler ersetzt. Die Heißdampfregler hatte alle das Problem, daß sie sich schwer bewegen und nicht sicher schliessen lassen. Das lag aber an übergerissenem Kesselwasser. Die Salze im Wasser lagerten sich auf den Reglerelementen ab und verursachten somit die Schwergängigkeit. Da man seit der Reichsbahnzeit schon dem Kesselwasser Chemikalien zusetze, damit sich kein Kesselstein bildet, haben diese Zusätze das Problem noch erhöht."

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      "... Das Manometer ohne Ziffern ist der Hubanzeiger. Wenn die Kolbenspeisepumpe arbeitet preßt sie gegen den Druck im Kessel das Wasser ein. Dies äußert sich durch einen Druckanstieg, der an diesem Manometer angezeigt wird. Das ist für den Heizer das sichtbare Zeichen, daß und vorallem wie schnell die Pumpe arbeitet. .."

      "Das Ventil neben dem Handrad ist ein Dampfabsperrventil. die durfte aber nur den Dampf für den Injektor (wie es auch die englische Bezeichnunng beschreibt) absperren. Die Kolbenspeisepumpe müßte eigentlich weiterlaufen, weil sie wie auch der Turbogenerator und die Luftpumpe den Dampf direkt im Dampfdom entnimmt."
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      The post was edited 3 times, last by RolliWolli ().

    • Hallo RolliWolli,

      ich fahre gerade mit der 52er der ÖBB und einem kurzen Güterzug auf der Strecke Hagen - Siegen. Wenn ich so fahre, wie hier beschrieben, geht der Kesseldruck rasend schnell in den Keller, der Dampfverbrauch ist doppelt so hoch wie die Erzeugung, obwohl alle Pumpen, außer der Lichtmaschine ausgeschaltet sind. Bei echten Dampfern funktioniert das sicherlich, aber hier im TS offensichtlich nicht. Selbst bei 40% Regler und 25% Steuerung habe ich einen Rückgang des Kesseldrucks beobachtet.

      Gruß
      der trainman1
    • trainman1 wrote:

      ..geht der Kesseldruck rasend schnell in den Keller, der Dampfverbrauch ist doppelt so hoch wie die Erzeugung, obwohl alle Pumpen, außer der Lichtmaschine ausgeschaltet sind. Bei echten Dampfern funktioniert das sicherlich, aber hier im TS offensichtlich nicht. Selbst bei 40% Regler und 25% Steuerung habe ich einen Rückgang des Kesseldrucks beobachtet.
      ...
      Das ging mir anfangs auch so, habe folgendes probiert:

      Wenn die Erzeugungsrate unter der Nutzungsrate bei richtiger Regler/Steuerungskombi liegt, ist einfach zuwenig Feuer unterm Kessel!
      Mit dem automatischen Heizer geht das Fahren so eh nicht, der läuft dem sinkenden Dampfdruck hinterher, zumal starkes Feuern das Feuer noch auskühlt.

      Was ist also zu tun? Manuellen Heizer an. Dann vor Abfahrt oder gleich nach dem Start richtig einheizen! F-Feuerklappe, R-Taste mehrmals um die Kohlemenge pro Schaufel zu erhöhen.
      Wichtig: Dämpfer auf ein! Notfalls vor Fahrtbeginn Bläser an!

      Bei der 52 weiss ich nicht, aber bei der 01 habe ich schon mal so um die 20-50 kg aufgelegt - vorAbfahrt.

      Und immer schön auf das Wasser achten, da geht in dem Moment viel weg.
    • Hallo RolliWolli,

      danke für den Tipp. Das hab ich auch versucht, mehr als 749 kg Kohle gehen nicht in die Feuerbüchse, und das obwohl der Heizer fleißig weiterschaufelt. Eine wesentliche Besserung war nicht zu erkennen. Trotzdem lief die Lok trotz sinkendem Kesseldruck wie ein Rennwagen. :D Was eigentlich nicht sein kann.. Ok, ab 10 bar und drunter wurd es auch kritisch, aber nicht umsonst gab es die Betriebshalte in Altena und anderswo. Später hab ich dann den Regler zugemacht, wenn der Kesseldruck zwischen 14 und 15 bar lag.

      Ich bin mein eigener Heizer

      Gruß
      der trainman1
    • Ja, stimme ich zu. Der Simulator rechnet durchaus damit, dass die Dampferzeugung eine Weile braucht 5-10 min.? Hier rächt es sich, dass man keine Informationen über FEUERMASSE und FEUERTEMPERATUR angezeigt bekommt wie weiland im MS TS! Das wären hier sehr wichtige Infos. IRL kann man das Feuer ja sehen und weiss, wann es loslegt. Also nur zuschaufeln bringt nichts.
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      The post was edited 1 time, last by sven77: Unnötiges Vollzitat des letzten Posts entfernt. ().

    • trainman1 wrote:

      Hallo RolliWolli,

      danke für den Tipp. Das hab ich auch versucht, mehr als 749 kg Kohle gehen nicht in die Feuerbüchse, und das obwohl der Heizer fleißig weiterschaufelt. Eine wesentliche Besserung war nicht zu erkennen. Trotzdem lief die Lok trotz sinkendem Kesseldruck wie ein Rennwagen. :D Was eigentlich nicht sein kann.. Ok, ab 10 bar und drunter wurd es auch kritisch, aber nicht umsonst gab es die Betriebshalte in Altena und anderswo. Später hab ich dann den Regler zugemacht, wenn der Kesseldruck zwischen 14 und 15 bar lag.

      Ich bin mein eigener Heizer

      Gruß
      der trainman1
      Hallo Trainman 1, ich habe mich mal hier angemeldet, weil du vielleicht nicht glaubst, daß Dampfloks so gefahren werden, wie es oben beschrieben ist. Ich will das mal mal kurz erklären (hoffentlich gelingt mir das). Entnimmt man dem Kessel mit voll eingestellter Steuerung den Dampf so sinkt der Dampfdruck sehr schnell. Warum, weil über den gesamten Kolbenweg immer konstant das gleiche Dampfvolumen dem Kessel entnommen wird. Wieviel kannst du selbst schnell ausrechnen: Kolbenhub ca. 60 cm Zylinderdurchmesser ebenfalls. Pro Radumdrehung dieses Volumen mal 2nehmen, weil von beiden Zylinderenden Dampf einströmt und bei einer Zweizylinderlok das ganze verdoppeln. Jetzt je nach Geschwindigkeit zwischen 0 und 6 Radumdrehungen pro Sekunde mit dieser Zahl multiplizieren. Dann hast du den sekundlichen Dampfverbrauch. Du wirst selbst staunen was da heraus kommt. Stellt man aber nach einer bestimmten Zeit die Steuerung auf kleinere Werte so wird nicht über den gesamten Kolbenweg Dampf nachgeführt, sondern er wird nach einem bestimmten Weg abgesperrt. Da der Dampf durch den Druck Energie hat, kann er im Zylinder expandieren. Das bedeutet unter Druckabnahme dehnt sich der Dampf aus und treibt den Kolben trotzdem. Das führt dazu, daß man wesentlich weniger Dampf verbraucht. Normalerweise kann das Feuer, den Dampfverbrauch ohne Probleme ergänzen. Die Feuerschicht darf dabei nicht zu hoch und auch nicht zu gering sein und die Luftklappen (Dämpfer) müssen geöffnet sein. Wenn der Zug in einem Bahnhof oder Haltepunkt steht, öffnet man den Bläser, damit wie bei voller Fahrt das Feuer durch diese Hilfsvorrichtung angefacht wird. Ich habe keine Ahnung, wie im Spiel die Steurung einzustellen ist. In der Realität ist der Höchstwert so um 80 %. Der Kleinstwert ist etwas individuell, wird aber um Lagerschäden durch Kompression der Dampfmaschine zu vermeiden nicht unter 25 % genommen.

      Grüße von einem echten Dampflokführer
    • Hallo roststab, schön Dich hier zu sehen! Zur Info: es gibt noch einen weiteren Thread mit Deinen Infos zum richtigen Bremsen!
      Mal sehen, wie ich das ins Wiki bekomme, sofern es noch etwas Feedback gibt!

      Hier noch Deine Ergänzung betr. Strecke Hagen-Siegen:

      "... Der Kollege mit der 52 schreibt, daß er auf seiner Strecke Hagen - Siegen Betriebshalte hat. Nun bin ich diese Strecke mehr als einmal in der Realität mit der BR 38 gefahren. Da die Strecke langsam aber stetig bergauf geht sind solche Betriebshalte immer sehr angenehm. Da muß man folgendes machen. Wenn der Zug steht, den Bläser öffnen und wie wir sagen" Dampf kochen". Dazu auch ordentlich was auf's Feuer geben. Auf keinen Fall darf man mit dem Schürhaken auf dem Rost rumwühlen, denn diese Tätigkeiten setzten die Rostspalten zu und das Feuer verschlackt wodurch der Kesseldruck sinkt. Also fürs Spiel jedenfalls Luftklappen auf, Kohle auflegen und den Bläser an. Sobald der Regler geöffnet wird, den Bläser wieder schliessen.

      Bei einigen Szenarien, ich hatte mir in den letzte Tagen so einiges angeschaut, wird auch ständig die Feuertür offengelassen, ob das Programm das berücksichtigt, weiß ich nicht. In der Realität, sinkt dadurch auf jeden Fall der Kesseldruck. Weil kalte Luft angesaugt wird. Übrigens wenn das Feuer gut liegt, ist es im Inneren der Feuerkiste auch im Spiel richtig weiß glühend. Kühlt die Feuerkiste ab wandelt sich die Weißglut in Rotglut. Das ist auch ein Indiz für richtige Feuerführung.
      ..."


      Das mit der Feuertür-Farbe schaue ich mir gleich mal an!

      The post was edited 1 time, last by RolliWolli ().

    • Eisenbahnfan 110 schrieb noch etwas interessantes:


      eisenbahnfan110 wrote:

      @trainman1Ja aber es bringt ja auch nix die Feuerüchse zuzuschaufeln. Ich glaube das Optimum liegt bei 60-70%. Ist ja eigentlich auch logisch. Wenn man zu viel Kohle in der Feurbüchse liegen hat, dann wirkt die ja quasi wie ein Deckel, weil die Luft nicht mehr so gut und auch nicht genügend Luft mehr strömen kann.

      Gruß

      ef110
      Zu Eurem Spiel kann ich natürlich nicht sagen was richtig, falsch oder gar das Optimum ist. Ich schätze, daß seine Angaben zutreffend sind. In der Realität heißt das, es kann nur eine gewisse Höhe der Feuerschicht sinnvoll sein, man sagt etwa 8 bis höchstens 15 cm. Das gilt aber nur für die ideale Korngröße "Knabbel", das ist ein Korn von 80 bis 115 mm. Kleineres Korn heißt weniger auflegen. Warum darf die Feuerschicht nicht so hoch sein? Erstens ist die Schicht hoch, dauert es lange, bis sie durchgebrannt ist. Man hat keine sichtbare Glut und die Wärmestrahlung fehlt. Also muß die Temperatur sinken. Zweitens und das ist viel dramatischer, durch den Luftmangel bildet sich Kohlenmonoxid CO. Das ist ein exothermer, also Wärme verbrauchender, Vorgang. Bei der Verbrennung von Kohle zu Kohlendioxid CO2 entsteht dagenegn eine große Wärme. Zwar kann man auch CO zu CO2 reagieren lassen, was scheinbar die Wärmebilanz wieder in Ordnung bringt. Wenn man ein thermodynamisch geschlossenens System hat, dann funktioniert es in der Theorie. Aber hier in der Praxis sorgt schon der Saugzug dafür, daß man meilenweit vom Idealzustand entfernt ist. Das Kohlenmonoxid und alle anderen evtl. noch vorhandenen Gase werden sofort zum Schornstein gesaugt und es kommt garnicht erst zu der Reaktion. Ganz nebenbei bemerkt, aus diesem Grund wird vor einer Tunneldurchfahrt nicht frisch aufgelegt.

      Auch möchte ich mal mit dem Vorurteil heizen kann jeder aufräumen. Heizen heißt nicht reinwerfen was das Zeug hält sondern ein gutes Feuer liegt so , wie die Heizerschaufel geformt ist. Vorne und in der Mitte Flach nach hinten und zu den Seiten etwas höher. Da die Feuerroste bei Dampfloks meistens etwas geneigt sind, brauch man z. B. ber der BR 44 die Kohlen nicht bis nach vorne werfen. Ab 2 Rostlänge geht das in die Arme! Ein guter Heizer streut die Kohlen in der Mitte und wirf nur zum Rand und nach hinten die Kohlen gezielt. Bis man hier die richtige Technik raushat, hat man so manchen Lokführer schon zur Verzweiflung gebracht. Daß an den Seiten die Schicht etwas höher liegt hat nur den Zweck aufgarkeinen Fall an diesen Stellen kalte Luft eintreten zu lassen, denn das kühlt die Wände der Feuerbüchse ab.

      Einen Punkt möchte ich noch erwähnen, weil der im Spiel mit großer Wahrscheinlichkeit nicht berücksichtig wird. Kokle ist nicht gleich Kohle. Also was schwarz ist brennt zwar aber mit untershiedlichem Charakter. Die Kohle ist vor ca 400 Mio. Jahre aus organischem Material entstanden und durch geologische Prozeße hat sich dieses Material in Kohlenstoff umgewandelt. Was beim Köhler im Wald bei ein paar Hundert Grad einige Tage dauert machte die Natur auch aber wesentlich langsamer und quasi bei Zimmertemperatur. Man kann sich also vorstelen, daß es Kohle gibt die sehr gut zur Kohle geworden ist das ist z.B. Anthrazit und das es Kohle gibt, die nicht so vollständig umgewandelt ist, da wäre die Braunkohle ein gutes Beispiel für. Für die Lokomotivkessel braucht man eine Kohle, die eine mäßig lange Flamme liefert. Anthrazit kann das nicht. Braunkohle ist da auch nicht das gelbe vom Ei da ist die Flamme zu lang und der hohe Anteil an Wasser der läßt auch nicht die volle Energie der Braunkohle nutzbar werden. Ideal ist Fettkohle, wie sie im Aachener Revier und an der Ruhr gefördert wurde. Oberschlesische Kohle neigt schon wieder zu sehr ins andere Extrem (s. Braunkohle). Da Kohle aber ein Naturprodukt ist, enthält sie auch Asche. Und die Stoffe, die Asche bilden sind ein großes Problem. Da kann es vorkommen, daß die Asche schmilzt. Das ist nicht schlimm, wenn sie geschmolzem wie Wasser fließt. Meistens fließt sie aber zäher als Honig. Das führt dazu, daß die Rostspalten verkleben und es kommt keine Luft mehr durch. Fatal wird die Sache dadurch noch, daß bei Luftmangel CO entsteht und dieser Prozeß setzt die Fließtemperatur dar Asche noch um etwa 300°C herab. Der Rost verschlackt noch schneller. Deswegen wird bei Jedem Halt der Lokomotive, da ist ja der Regler geschlossen, der Hilfsbläser geöffnet, damit es keinesfalls zum Fließen der Asche kommt. "Wasser Kochen" ist nur ein Nebeneffekt.

      So wenn ihr euch jetzt über fehlende Buchstaben geärgert habt, auch das hat seinen Grund, meine Tastatur ist schon steinalt, da muß ich schon rochtig feste drauhauen. Nicht jeder Anschlag kommt durch.
    • Hallo Roststab,

      herzlichen Dank für deine ausführlichen und lehrreichen Angaben. :thumbup: Das die Dampflok so gefahren werden, wie von dir beschrieben, will ich überhaupt nicht bezweifeln. Im Gegenteil, nur hab ich halt im Spiel festgestellt, daß der Dampfverbrauch hoch bleibt, obwohl ich die Steuerung auf bis zu 21% zurückgenommen hatte. Der Regler war bei ca. 40 - 60%. Der Dampfdruck ging runter wie ein Fahrstuhl, obwohl nur 13 2achser am Haken waren. Die Luftklappen hab ich immer geöffnet gelassen, der Hilfsbläser war auch konstant an, um die Dampferzeugung möglichst hoch zu halten. Das letzterer in der Regel nur im Stand und bei Tunnelfahrten genutzt werden sollte, ist mir bekannt. - Hab den "Niederstraßer" im Regal stehen und auch gelesen, ist aber schon länger her. Aber Lesen ist eine Sache, die Praxis eine andere...

      Gruß
      der trainman1
      Images
      • 02 Hagen Gbf.jpg

        196.84 kB, 1,280×720, viewed 124 times
    • Außerdem ist die erwähnte 52er zu mehr als KI nicht zu gebrauchen, weil die einer der Dinosaurier aus dem TS ist. Wer ordentlich Dampflok fahren will, muss schon zu Dampferdrittanbietern von der Insel greifen. Oder zu Beekay, da habe ich aber keine Erfahrung mit gemacht.

      DigitalTraction ist zum Beispiel ein guter Hersteller, der mit der Class 2MT und 4MT auch auf Steam vertreten ist.

      Dennoch hoffe ich auf weitere fachkundige Ausführungen von @Roststab. Selbst ich als alter Chemie-LK geschädigter bin erstaunt, wie sehr sich Heizer mit chemischen Reaktionen auskennen müssen, um "ordentlich Dampf" machen zu können :thumbup: Chapeau.

      The post was edited 2 times, last by [1247]DetPhelps ().

    • [1247]DetPhelps wrote:

      ... muss schon zu Dampferdrittanbietern von der Insel greifen. ..
      Hier kann ich ausdrücklich die DR BR 86 (Steam) empfehlen!
      Die geht bzgl. Simulation bei weitem über das hinaus, was man von anderen Modellen kennt. Z.B. Das Verhalten des Nassdampfregelers, was ja dazu führt, dass der Druck erst verzögert aufgebaut wird (nach dem Überhitzer) und auch verzögert wieder abgebaut. Das hat anfangs dazu geführt, dass ich mit der "normalen" Bedienung überhaupt nicht zurecht gekommen bin und jedes mal einen Kavalierstart hingelegt habe. *achtung*
      Man kann also wirklich Dampf einlassen, dann den Regler wieder schliessen und mit dem expandierten H-Dampf anfahren, wie es m.W. im Rangierbetrieb gehandhabt wurde.
      Es ist auch möglich, die Zylinderhähne zu öffnen und es kommt (im Stand) Dampf heraus, wenn der Regler geöffnet wird. Heizungsdampf u.u.u.
      Selbstverständlich lässt sich das von Roststab beschriebene Bedienen mit diesem Modell perfekt nachvollziehen. Das soll aber jetzt keine Werbung sein, nur wer eine Kontinentale Lok sucht...


      Siehe auch
      Werbung

      The post was edited 1 time, last by RolliWolli ().

    • [1247]DetPhelps wrote:


      Selbst ich als alter Chemie-LK geschädigter bin erstaunt, wie sehr sich Heizer mit chemischen Reaktionen auskennen müssen, um "ordentlich Dampf" machen zu können :thumbup: Chapeau.
      Der Heizer muß nicht wissen, daß bei der hypothetischen Reaktion C + O = CO ein Delta H von - 111kJ/mol gegenüber - 396 kJ/mmol bei der Verbrennung zu CO2 entsteht. Auch muß er nicht wissen, daß die Reaktion zur Bildung von CO über die Reaktion CO2 + C = 2 CO +172 kJ/mol (einer endothermen Reaktion) erfolgt. Das habe ich jetzt mal über Wiki zusammengetragen, ich hatte noch kcal gelernt, aber die zugehörigen Zahlen weiß ich heute auch nicht mehr. Im Kopf habe ich nur noch, ein positives Delta H verbraucht Wärme, ein negatives erzeugt Wärme. Ein Heizer muß die groben Zusammenhänge darüber wissen, damit er seine Kohlen richtig aufklegt. Eine Prüfung zum Heizer, in der er solche theoretischen Sachen nachweisen muß, gibt es nicht. Die Dampflokführer, die eine richtige Ausbildung erfahren haben, lernten diese Zusammenhänge aber recht intensiv. Sie waren die Dienstaufsicht über den Heizer und mußten deshalb mehr wissen. Für den Heizer war wichtig, daß er den Wasserstand im Kessel stets über der Marke des niedirgstzulässigen Wasserstand (NW-Marke) hält und daß seine Feuerführung stets ausreichend Dampf liefert. Ferner mußte er die sicherheitsrelevanten Elemente eines Dampfkessels kennen. Deshalb beinhaltete eine formlose Heizerprüfung, das Kontrollieren des Wasserstandes, das Bedienen der Pumpen, die Feuerführung und Kenntnis des Kessels samt seiner Sicherheitseinrichtungen und Vorschriften. Was man schnell vergißt, so eine Dampflokomotive ist ein Kraftwerk auf Rädern.

      trainman1 wrote:


      Im Gegenteil, nur hab ich halt im Spiel festgestellt, daß der Dampfverbrauch hoch bleibt, obwohl ich die Steuerung auf bis zu 21% zurückgenommen hatte. Der Regler war bei ca. 40 - 60%. Der Dampfdruck ging runter wie ein Fahrstuhl, obwohl nur 13 2achser am Haken waren.
      Du schreibst, daß du mit 40-60 % Regleröffnung gefahren bist. Ich habe keine Ahnung, wie realitätsnah die BR 52 im Programm gestaltet ist. Aber versuche es einmal mit 100% Regleröffnung. Der Algorithmus für Dampfverbrauch, Kesseldruck, und dergl. im Programm wird sich schon irgendwie an den sogn. Dampfschaulinien orientieren. Da nach hat man auch einen gewissen Druck im Blasrohr. Diese Linien werden auch als Indikatordiagramm bezeichnet.

      Ich gehe mal auf die Realität ein. Dieses Diagramm zeigt den im Zylinder vorhandenen Dampfdruck auf. Der Techniker kann daraus nicht nur die Arbeit der Dampfmaschine errechnen, sondern auch noch erkennen, wie gut die Dampfmaschine arbeitet, oder ob es Fehler in der Verteilung gibt. Ich versuche es mal ganz grob darzustellen wie der Druckverlauf aussieht. Zunächst hat man eine waagerechte Linie, so lange wie der Dampf einströmt. Sagen wir mal 50% des Kolbenweges, was einer Steuerungseinstellung von 50% entspricht. die restlichen 50 % fällt diese Linie langsam aber immer stetig ab, bis der Punkt der Vorausströmung erreicht ist. Hier öffnet der Schieber den Auslaßkanal und der Druck baut sich fast schlagartig auf Null ab. Das ist kurz vor dem Wendepunkt des Kolbens. Ist der Kolbenweg rückläufig, verläuft auch die linie jetzt engegengesetzt. Die Ausströmung ist geschlossen und das bißchen verbliebener Dampf wird kurz vor dem Ende komprimiert und es wird gleichzeitig die Voreinströmung geöffnet und der Kreislauf beginnt von vorne. Man kann sich die Schauline so wie einen Schuh in der Seitenansicht vorstellen. Nun ist es klar, daß die Fläche unter der umfahrenen Linie der im Kolben verrichteten Arbeit entspricht. Ist der Eintrittsdruck gering, so muß um gleiche Arbeit zu erhalten länger Dampfnachgeführt werden, die Füllung ist also zu vergrößern. Das geht zu Lasten des Dampfinhalts im Kessel.

      Das war mal ein kleiner Einblick in die Theorie der Dampfmaschine.
    • So, ich habe jetzt noch mal viel Zeit investiert, um alles zu testen.

      Fazit: Das Dampf-Modell im TS ist m.E. NICHT akzeptabel.

      Bin gerade mit einer 95 mit 1200t Zug (grenzwertig) in der Ebene mit leichten Steigungen (Ducherow-Swinemünde) gefahren.
      Beschleunigung auf 30 kmh hat ca. 15 km gedauert, Radschlupf bei vollem Regler, alles Bestens.
      ABER: Die Feueranfachung mit dem Regler reicht nicht aus, da kann man machen was man will. Feuerbüchse voll, Dämfer ein (meint offen) und die Erzeugungsrate liegt nur bei max. 50% des Verbrauchs (ohne Injektoren), d.h. ohne Bläser bleibt man liegen. Da muss ein Fehler im Modell vorliegen. Was sagen denn die Entwickler dazu?

      Feuermasse immer > 400kg
      Regler max. 52 % > (sonst bricht die Rate auf 14000/6000 ein)
      Steuerung 20 %
      Injektoren bei Bedarf 20%
      Kesseldruck zw. 12 und 14 bar
      Geschw. 40-55 km/h

      Bin etwas ratlos: *denk*
    • RolliWolli wrote:

      Fazit: Das Dampf-Modell im TS ist m.E. NICHT akzeptabel.
      Ich weiß nicht ob man das so verallgemeinern kann. Mir machen einige der britischen Dampfer aktuell großen Spaß. So war ich heute mit der Peppercorn A 1 auf der Weardale Strecke unterwegs, super Sound, auch im Advanced Modus gut zu handeln, sind schon wesentlich anspruchsvoller als EL-Elektroloks zu fahren. Als völliger Laie kann ich aber nicht beurteilen wie realistisch die Dampfer sind.
    • @RolliWolli
      ich vermute mal Standart-DTG-Lok im TS (welche ?) in der Regel fast and dirty-Entwicklung ohne wirkliches Wissen über technische Hintergründe.
      Da sind und waren bestimmt unterschiedliche Entwickler am werkeln. Die deutsche Denke, am Schluss schaut jemand drüber, um das technisch abzunehmen, kannste in der Englisch-Amerikanischen Entwicklungsmentalität abschminken. Bauen, Verkaufen, Entwickler entlassen. Neue Lok neuer Entwickler, da wird nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gehandelt und viel extern zugekauft.
      Ergo, gute Entwicklung --> teuer --> daher selten.
      Bei den Sounds gibts ja schon Experten, die gewaltig nachbessern, evtl findet sich da Leute, die das technisch nacharbeiten, die Engine Dateien liegen ja offen. RW-Tools hat da sogar Möglichkeiten, die Werte geordnet anzupassen.
      StS

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    • @StS

      Da hast Du wahrscheinlich recht.Im TS2020 sehen die Loks dann aus wie bei Jim Knopf, wenn das so weiter geht.
      Da bleibt von einer "Simulation" nicht mehr viel übrig. (Die neuen Splash-Screens gehen ja schon in die Richtung *O.o* )
      Ich hatte die BR95 von RomanticRailroads. Die ist eigentlich sehr gut, hat sogar Riggenbach-Gegendruckbremse usw.
      Vlt. schaue ich mir mal selbst die Engine-Dateien an.