@Bahnfan92
Aus rein technischer Sicht kann die Lok durchaus auch 130km/h rückwärts fahren. Im Endeffekt ist es den Zylindern egal, ob die Steuerung nach vorne oder nach hinten ausgelegt ist. Meines Wissens sorgen diese Rückwärtsfahrten nur für höhere Beanspruchungen der Achslager.
Die 80km/h wurden wegen des erhöhten Entgleisung-Risikos gewählt. Es macht eben doch einen großen Unterschied, ob eine schwere Lok mit 130km/h zieht - oder ob ein "leichter" Tender mit 130km/h geschoben wird.
Wenn ich mal zum Thema Schlepptender rückwärts meinen Senf abgeben darf - es gibt mehrere Limitierende Punkte dabei:
1. das so genannte "steinespringen": die meisten Schlepptenderloks sind mit Heusinger-Steuerung mit "Hängeeisen" ausgestattet. Das ermöglicht eine Optimale Ansteuerung der Zylinder bei vorwärtsfahrt, Bei Rückwärtsfahrt kann sich jedoch der Stein in der Schwinge "verkanten" bei höheren Geschwindigkeiten, dadurch wird die Dampfdosierung ungenauer und das Materal leidet auch etwas.
Viele Tenderloks haben deshalb so genannte Kuhnsche Schleife an der Steuerung, die ist bei vorwärtsfahrt dem Hängeeisen leicht unterlegen, aber deutlich besser für Rückwärtsfahrt geeignet.
2. Streckensicht: Der Lokführer fährts rechts, da wo die Signale stehen, d.h. bei Rückwärtsfahrt links - dabei ist ihm der hohe, lange Tender im Weg
3. Laufeigenschaften der Tender: schnelle Loks sind bei vorwärtsfahrt mit Vorläufern ausgestattet (Bissel-Gestell, Kraus-Helmholz-Lenkgestell oder Vorlaufdrehgestell), diese kleinen Räder folgen seitenverschiebbar dem Gleis in Gleisbögen und "lenken" den Rahmen und die Treibräder mit an. Bei Rückwärtsfahrt sind die Lauf- und Lenkeigenschaften des Tenders schlechter
4. Achslast: Die Lok hast eine fast konstante Achslast auf den einzelnen Achsen, die sie im Gleis halten (Vorläufer meist 10-16 to, Treibachsen 14-20). Ein "vollgerammelter" Tender 2'2T34 (01, 44, 41) hat fast 80 tonnen und eine Achslast von 19 Tonnen etwa. Sind wasser un Kohle fast leer, wiegt er nur noch die hälfte, d.h. ca. 40 tonnen, wenn das Gewicht dann noch ungleichmäßig verteilt ist, dann sind die Führungseigenschaften im Gleis erheblich beeinträchtigt.
5. Konstruktion des Fahrwerkes: Tender haben unterschiedlich gute Laufeigeschaften, je nach Ausführung - im Normalfall folgen sie ja einfach der Lok:
Am schlechtesten sind STeifrahmentender: preußische 3T20, 3T16, 5 z.B. mit drei Starren Achsen, G12, G10, BR 24 (als Einheitsausführung 3T16) - drei Achsen fest im Rahmen gelagert oder auch der 4T30 der österreichischen 52er mit vier Achsen fest im RAhmen, andere, kurze Länderbahntender sind auch nicht viel besser: 2'2'T21,5 der P8 (darum, und wegen der größeren Vorräte auch von der DB gegen Wannentender getauscht).
Drehgestelltender der Einheitsbauart 2'2'T32 und 2'2T34 sind da schon besser, noch stabiler laufen jedoch die 2'2T26 und Wannentender 2'2'T30 - daher waren diese auch ab Werk für 80km/h Rückwärtsfahrt zugelassen! Eine Besonderheit stellt der Neubautender der DB 23 dar, dieser ist sogar bis 85 km/h zugelassen
Aus all diesen Punkten ergibt sich die zulässige höchstgeshwindigkeit bei Rückwärtsfahrt:
Mit einer G12 sind die erlaubten 50 km/h schon abenteuerlich, wohingegen viele 50er und 52er regulär im Plan und heutigen Museumszugdienst mit 80km/h rückwärts verkehren.
Einige Schnellzugloks mit 2'2T34 wurden bereits zu Planzeiten für 80 km/h zugelassen, z.B. 18 201, 03 1010 der VES-M, weitere Loks folgten in den letzten Jahrzehnten, da Drehscheiben immer seltener werden: 01 118, 01 509. Technisch ist das machbar und da oft genug heute 3 Mann Personal auf dem Führerstand sind, erleichtert das auch die Streckenbeobachtung bei Rückwärtsfahrt.
Geführt durch vorausfahrende Loks oder Wagen sind die Tender übrigens weitgehend unkritisch: es sind Leistungen der DB 01.10 bekannt, bei denen am Schnellzug vorn eine Lok Rauchkammer voran und hinten tendr Voran im "Sandwich" hingen, die 135 Sachen erreicht haben! (Es durfte wegen einer MAroden Brücke nicht Vorspann gefahren werden, da ersparte man sich das drehen und ließ beide Loks Rauchkammer "nach außen" laufen - natürlich niemals offiziell
)