Ich hab mir die Strecke, weil ich einfach mal was haben wollte wo man in verschiedenen Varianten über eine Stunde schnell fahren kann und was nicht Marseille-Lyon heißt haben wollte diese Strecke geholt. Nach drei Stunden Testfahrt auf fast dem kompletten Netz kann ich ein durchwachsenes Fazit geben.
Was unschlagbar für die Strecke spricht sind diese 570km Hochgeschwindigkeitsstrecke, das macht sie für jeden 300km/h-fetischisten interessant, auch wenn man sich nicht wirklich mit der chinesischen Eisenbahn auseinandergesetzt hat. Man hat durch die vielen Zwischenstationen auch einen wahnsinnig großen kreativen Spielraum für Szenarien, und wer einfach mal nur eine Stunde lang mit 350 Sachen durch die Gegend rasen will fährt die knapp 300km von Chonquing nach Chengdu.
Aber im Grunde kann ich schon hier mit dem Zerpflücken beginnen. Denn was bei der Detailliertheit der außerhalb der großen Städte gebauten Eisenbahninfrastrukturobjekte an Arbeit geleistet wurde, fehlt definitiv sobald man die SFS verlässt. Insbesondere bei den größeren Bahnhöfen der Größenordnung von Chengdu, Suining oder Chonquing wurde an guten Objekten gespart, teilweise hat mich das ganze mehr an eine bessere Freewarestrecke erinnert. Denn während man sich für die SFS eigene Objekte, samt Oberleitung und fester Fahrbahn, gegönnt hat, wurde bei den Bahnhöfen auf die uralt-Schottertexturen und Objekte von Kuju gesetzt, was ich als überaus peinlich für eine Payware-Strecke empfinde. Auch an Vegetation wurde kräftig gespart, sodass die Bahnhöfe ein befremdliches Bild abgeben. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass anscheinend kaum jemand Zug fahren will, gerade an den großen Bahnhöfen erwarte ich da mehr Leute, und das ist technisch umsetzbar. Absolut inakzeptabel für eine Payware-Strecke ist auch, wenn die Linienführung grob mit der Realität nicht übereinstimmt. Mich als Europäer, der die Region nicht kennt, stört das erstmal nicht, wenn entlang der Strecke mal einzelne Nebenbahnen fehlen, aber wo es definitiv stört ist zwischen Huangzou und Chonquing. Bei Huangzou verlaufen, laut OSM beide Teilstrecken noch für ca 5-10 Kilometer inklusive großer Weichenanlagen nebeneinander, hier trennen sie sich direkt hinter dem Bahnhof. Die fehlenden Weichen machen sich besonders bei ab hier nach Norden fahrenden Zügen bemerkbar, ein CRH380A muss die 60km bis Huangzou im Kriechgang mit 230km/h zurücklegen, weil schon ab Chonquing die langsame Strecke benutzt werden muss. Aber auch bei der Einfahrt in CHonquing wurden alle nicht-SFS-Gleise ausgespart.
Ebenfalls ungünstig finde ich, dass der CRH380A nicht in der Grundversion, sondern nur in einem Paket mitgeliefert wird, obwohl er eigentlich das Paradepferd auf der Strecke ist. Stattdessen werden die "unwichtigeren" CRH1A und -E mitgeliefert, lieber hätte man diese in ein seperates Add-On packen sollen.
Ebenfalls beschämend für das Release-Jahr ist der Zustand der Fahrzeuge. Die Modelle passen für mich, aber vor allem der Sound hat es in sich. Auf Videos sieht man, dass der CRH1 komplett anders klingt, abwechslungsreiche Roll- und Standgeräusche die jeder eingelernte Praktikant hinbekommen sollte sucht man hier vergeblich.
Damit wäre meine Meinung soweit gesagt. Durch grobe Fehler im Streckenplanbau und sparsame Landschaftsgestaltung beschränkt sich, zusammen mit dem im Bündel erhältlichen CRH380A, die Zielgruppe vor allem auf nicht-chinesische Hochgeschwindigkeitsfanatiker. Wer aber eine realistisch gestaltete Strecke oder realitätsgetreue Fahrzeuge haben möchte ist hier fehl am Platz. Von mir gibt es hier eine 3.