(Original Bericht von Von Hans-Dieter Erlenbach)
GERMERSHEIM - Eine 1852 im Rhein versunkene Dampflok beschäftigt derzeit die Eisenbahnerszene in ganz Deutschland.
Könnte die unter einem Kiesbett im Rhein bei Germersheim in der Pfalz liegende Lokomotive geborgen werden, wäre das eine Sensation.
Denn es handelt sich um die älteste erhaltene Dampflokomotive Deutschlands. Die würde dann im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein zu bewundern sein.
Volker Jenderny gerät ins Schwärmen, wenn er von der "Rhein-Lok" erzählt. So haben die Eisenbahnfreunde die Dampflok getauft, die 1852 von der Maschinenfabrik Emil Keßler in Karlsruhe gebaut wurde.
Nach ihrer Fertigstellung sollte sie mit einem Lastensegler von Karlsruhe nach Düsseldorf transportiert werden. Doch das Schiff kam nicht weit.
Bei Germersheim, wo der Rhein eine starke Strömung hat und ein Unwetter aufgezogen war, schaukelte das Schiff derart stark, dass die Lok, die vermutlich nur unzureichend befestigt war, ins Wasser kippte und versank.
Nach rund 160 Jahren ist die Bergung der Lok in greifbare Nähe gerückt. Für Jenderny und seine Eisenbahnfreunde ist die Lok zunächst einmal die große Unbekannte.
Denn es gibt von ihr weder Zeichnungen noch Pläne. Aber man weiß ungefähr, wie Loks zur damaligen Zeit aussahen.
Die versunkene Lok war nur knapp sieben Meter lang und etwa 15 Tonnen schwer. Immerhin haben die Eisenbahnfreunde bei ihren Recherchen Zeichnungen und Skizzen von Schwesternloks gefunden.
Lok versank endgültig in nassem Grab
Nachdem die Rhein-Lok versunken war, gab es eine spektakuläre Bergungsaktion. Zwei Taucher rückten an, um zwei speziell angefertigte schwere Ketten unter die Lok zu bugsieren.
Am Ufer standen dann auf jeder Seite 400 Mann, die die Lok aus dem Wasser ziehen sollten. Es war geplant, dass eine Art Katamaran dann die Lok aufnimmt.
Zunächst sah alles gut aus. Die Lok tauchte sogar wieder aus dem Wasser auf. Doch dann riss eine Kette und die Lok versank endgültig in ihrem nassen Grab und geriet schnell in Vergessenheit.
Der Rhein lagerte im Lauf der Jahre immer mehr Sediment über der Lok ab. 1925 gab es erneut einen Bergungsversuch - die Aktion scheiterte jedoch an den Kosten.
Der frühere Lokführer Horst Müller aus Cochem an der Mosel forschte in den achtziger Jahren intensiv nach der verschwundenen Lok.
1992 suchte er dann Unterstützung und schrieb die deutschen Eisenbahnmuseen an. Das Interesse war gering.
Lediglich das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein meldete sich bei Müller. Gemeinsam wurde nun intensiv nach der genauen Lage der Lok gesucht.
Da der Rhein statt damals etwa 400 heute an dieser Stelle nur noch etwa 200 Meter breit ist, vermuteten die Forscher die Lok zunächst unter einen dicken Erdschicht an Land.
Unterlagen aus dem Landesarchiv Speyer wurden mit alten und neuen Plänen verglichen, bis die Lage der Lok auf einen Bereich von 200 mal 200 Meter eingegrenzt war.
Ort bekannt, genaue Lage noch nicht
Da war klar: Sie liegt unter Wasser. Seit 2012 ist nach einigen Messungen die genaue Lage der Lok bekannt.
Unter dem drei Meter hohen Wasserspiegel liegt sie am Rand einer der Buhnen, die vor Germersheim in den Rhein ragen, etwa drei bis vier Meter tief unter festem Sediment.
Probebohrungen haben ergeben, dass die Schicht extrem hart ist. Eine Bergung der Lok erfordert deshalb einigen Aufwand - und viel Geld: "Wir brauchen dringend Sponsoren", betont Volker Jenderny.
Zwar kennen die Eisenbahner jetzt den Ort, an dem die Lok liegt, sie wissen aber noch nicht, wie sie liegt.
Womöglich auf der Seite, womöglich steht sie aufrecht oder sie liegt kopfüber. Das spielt für die Bergung eine wichtige Rolle.
Wie soll es jetzt weitergehen? Volker Jenderny dämpft jeden Optimismus auf eine schnelle Bergung der Lok.
"Wir werden jetzt in Ruhe die nötigen Schritte beraten", betonte er. Geophysiker hätten noch ein paar Ideen, wie man vorgehen könne.
Die Eisenbahnfreunde nehmen jetzt Kontakt mit Bergungsunternehmen auf, um erst einmal einen genauen Kostenrahmen zu bekommen.
Mit bis zu einer halben Million Euro rechnet der Verein, denn die Bergung ist aufwendig und wird vermutlich die Schifffahrt auf dem Rhein beeinträchtigen.
(Original Bericht hier):
http://www.allgemeine-zeitung.…rhein-bergen_16043466.htm
Gruß 
Rene´