Nach dem IKB3 war die Strecke für mich quasi ein Pflichtkauf. Inzwischen bin ich, wenn man die Anschlüsse weglässt, schon überall langgefahren. Trotzdem konnte ich nur die zweitbeste Bewertung geben.
Als positive Punkte sind auf jeden Fall die SAD-typische gute und detailverliebe Ausgestaltung, die Vielfalt der befahrbaren Strecken, und eine schön lange SFS zu nennen. SAD hat sich wirklich extrem Mühe gegeben, die Umgebung detailreich und lebendig auszugestalten. Dazu gehören wieder einmal diverse Umgebungsgeräusche, von denen einige den Besitzern des IKB3 bekannt sein dürften, aber auch BÜs zum selber sichern auf der Nebenbahn, ein Feature was ich auch irgendwann definitiv mal ausprobieren muss. Dazu kommt, dass es für Brennitz eine Straßenbahn gibt. Diese ist dabei aber als KI, und ist nach meinem technischen Verständnis ungefähr so aufgebaut wie die Schiffe auf dem Fluss beim IKB3, heißt man setzt die mit Schienen texturierte Straße, und schiebt darunter einen Loft auf dem dann die Trams fahren. Aber auch der Brennitzer Flughafen ist gut aufgebaut. Hier wurden dabei Boeing 747 in verschiedenen Varianten als von der KI fahrbare Loks gebaut, für die einzelnen Wege auf dem Rollfeld und für die Start- und Landeanflüge gibt es unsichtbare Gleis-Lofts in der Luft. Außerdem gibt es dann natürlich noch die "Klassiker", wie eine detailreiche Vegetation und gut texturierte Bahnsteige und Oberleitungen.
Vielfältig ist auch die Zahl der Streckentypen. Zwar gibt es nichts für eine Dieseltraktion, allerdings dafür umso mehr für den elektrischen Fahrzeugpark. Zunächst sei die SFS zu nennen, auch wenn diese mit 70km Länge beworben wird, sind es effektiv nur ca 45-50km die wirklich mit 300 befahren werden können, was aber im Vergleich zum IKB3 schon einen immensen Fortschritt darstellt. Daneben gibt es noch zwei Strecken in die Kleinstadt Kortensheim, die jeweils beide eine V/Max von 120 haben. Die eine Strecke ist eher für expressmäßige Regionalzüge gedacht, während die andere Strecke eine S-Bahn darstellt, mit mehr Zwischenhalten. In Brennitz wurde eine S-Bahnstrecke mit teilweise selbständiger Trasse realisiert, die zwei Tunnel beinhaltet. Außerdem zweigt bei Brennitz-Flughafen noch eine ca 30km lange eingleisige Nebenbahn ab, die größtenteils mit bis zu 100 befahrbar ist. Ebenfalls positiv zu nennen ist, dass die für ICE&Co gedachten Bahnsteige diesmal eine Länge von ca 415m haben, und somit den Einsatz von Doppeltraktionen der Baureihen 403, 406, 407, 411 und 415 ermöglichen, eine Sache die hier sehr viel besser gemacht wurde als im Köblitzer Bergland.
Allerdings gibt es durchaus auch Gründe, weshalb ich der Strecke nicht die beste Bewertung geben möchte. Meine Kritikpunkte behandeln fast ausschließlich das Thema Gleisbau und "was man in der Realität nie machen würde". Denn auch wenn die Umgebung erstmal fiktiv ist, stellt der Entwickler ja in seiner Produktbeschreibung ja selber die Anforderung, dass die Strecke irgendwo in Deutschland liegen könnte. Und an vielen Stellen kann sie das halt nicht. Allgemein gesagt wurde viel mit zu engen Kurven und Weichenanbindungen gearbeitet, die betrieblich nicht sinnvoll sind. Das umfasst insbesondere viele Überleitungen, die nicht mit einer eingleisigen Weichenstraße geregelt wurden sondern mit zwei parallel liegenden Gleisen mit Überleitungen vor und hinter der Stelle, um das ganze trotzdem regelgleisunabhängig machen zu können. Hier sei zuerst mal die Ausfahrt aus Brennitz zu nennen, und zwar die weit gefasste bis Brennitz Nord. Aus irgendeinem Grund mussten die Einfahrtkurven in Brennitz-Dürrenhof aus Richtung Hbf kommend so eng gebaut werden, dass die VMax von 100 kurzzeitig auf 40, bzw 50 heruntergeregelt werden muss, und zwar auch deswegen, weil die Hauptgleise nicht durchgehend durch den Halt durchgeführt werden. Dieser Fakt macht sich noch unangenehmer in Brennitz Nord bemerkbar, da hier das Regelgleis in Richtung Flughafen auf einmal zum Regelgleis in Richtung Hbf wird, und man auch hier in beiden Richtungen den Bahnhof nur mit 40 durchfahren kann, es sei denn man benutzt die SFS. Fortsetzen tut sich das ganze am Nordkopf des Flughafenbahnhofs, aus irgendeinem Grund ist das in RIchtung SFS führende Gleis als Auszweig aus dem Regelgleis nach Brennitz gestaltet, und der Bahnsteig für ICEs in Richtung Brennitz kann ebenfalls nur über eine Üst erreicht werden. Damit wären wir Gleisplantechnisch auch schon in Augustinustal. Beide ICE-Bahnsteige können von aus Brennitz kommenden Zügen nur erreicht werden, wenn diese zuvor auf das Gegengleis wechseln, allgemein ist die Bahnhofseinfahrt dort sehr "komisch" und würde so nie in der Realität umgesetzt werden. Selbiges gilt für die Regionalgleise in Kortensheim Hbf, auch diese fädeln wie eine eigene Strecke und sehr unrealistisch aus den Durchfahrgleisen aus.
Als nächster Knackpunkt ist die Tatsache zu nennen, dass fast die komplette Expressstrecke zwischen Flughafen und Kortensheim mit Tragwerken elektrifiziert wurde, und das stört, im Gegensatz zur nur teilvorhandenen KÜ, wirklich. Tragwerke sind eigentlich nur in Weichengebieten zu finden, aber werde nie benutzt um ganze Strecken zu elektrifizieren.
Insgesamt ist mein Urteil, dass hier irgendwie versucht wurde, den Erfolg vom IKB3 zu wiederholen. Das mag wie bashing klingen, war aber mein erster Eindruck auf der Strecke. Allerdings sollte man auch nicht zu schlecht reden, trotz der in Überzahl vorhandenen betrieblichen Mankos wurde sich bei der Ausgestaltung Mühe gegeben, und eine Fahrt über die Strecke macht trotz all der Kritikpunkte Spaß. Insofern gibt es von mir für dieses Add-On eine 2-.